Nahwärmeversorgung Wetterling

Ein Beispiel für nachhaltige regionale Energieversorgung

Das Heizwerk Wetterling gewinnt Energie aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz. Die Wärme wird in den Häusern der Siedlung zum Heizen und für die Warmwasserversorgung genutzt.

So arbeiten Heizwerk und Nahwärmenetz

  • Zur Wärmeerzeugung werden Holzhackschnitzel verbrannt, im Jahr 2013 waren das insgesamt 770 m³.
  • Die Kapazität des Heizwerkes reicht für mehr als 50 Haushalte.
  • Über ein im Boden verlegtes Netz aus gut isolierten Leitungen wird die Wärme in Form von heißem Wasser (Vorlauftemperatur 80 °C) zu Übergabestationen in den Häusern gebracht.
  • Dort wird die Energie über einen Wärmetauscher an die Heizanlage (Fußbodenheizung, Heizkörper) und die Warmwasserversorgung übertragen.
  • Nach der Wärmeabgabe an die Hausversorgung fließt das Wasser deutlich kühler zurück (Rücklauftemperatur ca. 50°C).

Das hilft der Umwelt und den Anwohnern

  • Mit Holzhackschnitzeln ist die Nahwärme versorgung klimaneutral.
  • Vergleicht man den CO2-Ausstoß für Hackschnitzelherstellung, Wärmeerzeugung und -lieferung mit dem Ausstoß für fossile Heizung,  werden pro Megawattstunde Wärme ca. 270 kg CO2 gespart. Das sind jährlich ca. 120 bis 150 Tonnen CO2.
  • Kurze Transportwege sorgen für geringe Umweltbelastung.
  • Die regionale Wirtschaft wird gestärkt.
  • Die Anwohner profitieren von einer preisstabilen Energieversorgung.

Lokale Heizwerke für Holzhackschnitzel und Nahwärmenetze sind umweltfreundlich und stellen die örtliche Energieversorgung sicher.

Nah- und Fernwärmenetze

In einem Wärmenetz wird heißes Wasser vom Erzeuger über die Vorlaufleitung zum Verbraucher transportiert. Bei den Verbrauchern wird die Wärme über Wärmetauscher an den Heizkreislauf des Abnehmers übertragen. Das abgekühlte Wasser fließt über den Rücklauf zurück und wird neuerlich erhitzt. Das Wärmenetz stellt also einen geschlossenen Kreislauf dar.

Unter den Begriff Nahwärme fallen kleinere, dezentrale Wärmenetze, während als Fernwärme größere Netze mit meist längeren Transportleitungen bezeichnet werden. Der Übergang von Nahwärme zur Fernwärme ist fließend, eine klar definierte Abgrenzung gibt es nicht.

Wegen seiner großen spezifischen Wärmekapazität dient in der Regel Wasser als Trägermedium. Als Leitungen werden gut wärmegedämmte Rohre verwendet.

Woher kommt die Wärme?

Als Wärmequelle können geothermale Quellen, Sonnenenergie, aber auch industrielle Abwärme dienen. Ebenso kann die Wärme durch Verbrennungsprozesse erzeugt werden: entweder in konventionellen Heizungsanlagen, die mit Öl oder Gas befeuert werden, oder mittels Biomasse, z.B. Hackschnitzel oder Pellets. Eine weitere Möglichkeit ist die Wärmeerzeugung innerhalb von Kraft-Wärme-Prozessen, z.B. in Blockheizkraftwerken, die wiederum mit verschiedenen Brennstoffen betrieben werden können.

Durch den Einsatz von Pufferspeichern kann die Wirtschaftlichkeit eines Nahwärmenetzes noch gesteigert werden.

Geschichte der Nah- und Fernwärme

Die erste Städteheizung entwickelte der Amerikaner Birdsill Holly 1878 in Lockport in den USA. Somit ist die öffentliche Wärmeverteilung älter als die öffentliche Stromversorgung.

In Deutschland entstanden zur gleichen Zeit die ersten Fernheizanlagen zur Versorgung von Krankenhäusern, in denen aus hygienischen Gründen keine Einzelöfen in den Zimmern mehr aufgestellt werden sollten.

Schon 1888 versorgte das neu erbaute Kraftwerk in der Poststraße das Hamburger Rathaus mit Heizwärme. Nach dem großen Brand von 1742 waren die Hamburger besorgt um die Sicherheit des imposanten Gebäudes und wollten deshalb vollkommen auf offene Feuerstellen im Rathaus verzichten. Waren Hygiene und Brandschutz die wichtigsten Gründe für die Entstehung der Fernwärme, so beeinflusste vor allem die Ölkrise der Siebziger Jahre deren weiteren Ausbau.

Heute sind insbesondere Energieeffzienz und Umweltentlastung wichtige Argumente für den Einsatz von Nahwärme.

Kennzahlen

Ob ein Nahwärmenetz effzient und wirtschaftlich betrieben werden kann und wie es optimal konzipiert wird, kann mittels verschiedener Kennzahlen berechnet werden. Idealerweise sollte die sogenannte „Wärmebezugsdichte“ hoch sein. Das gilt für verdichtete Bebauung wie z.B. in Ortskernen, für öffentliche Gebäude auf engem Raum wie Schulzentren, Krankenhäuser, etc. Aber auch Gewerbe- und Industriebetriebe mit hohem Wärmebedarf auf relativ niedrigem Temperaturniveau wie Schlachthöfe, Molkereien, Brauereien sind besonders gut geeignet.

Pluspunkte für Nahwärmenetze

  • Sinnvolle Nutzung von Abwärme
  • Geringere Wärmegestehungskosten und geringere Emissionen gegenüber vielen einzelnen Feuerstätten
  • Hoher Komfort für den Abnehmer

Weitere Informationen

Die Gemeindewerke Glonn